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Eine Kurzfassung der Vereinsgeschichte

Von Walter Künzer, Ehrenvorsitzender Boxclub 1921 Neunkirchen (bis 2010), ergänzt durch Mark Neufang (bis 2013) und Oliver Koch

Der Boxsport, vor 1920 in Neunkirchen unbekannt, wurde von Männern, die im Gefolge der zivilen Besatzungsmacht des 1. Weltkrieges hier tätig waren und hiesigen Sportfreunden, die zum Teil in der Gefangenschaft mit dem Boxen bekannt wurden, in Neunkirchen zum ersten Mal demonstriert. Es fanden sich schnell am Boxsport interessierte Sportler, die dann die Boxabteilung EMTAS im Athletiksportclub "Deutsche Eiche" ins Leben riefen.

Im Jahr 1921 wurde dann im Lokal "Reich", das sich neben dem Corona-Kino befand und auch Trainingslokal war, der Boxclub 1921 Neunkirchen gegründet. Gründungs- sowie Vorstandmitglieder waren Nick Zimmermann, Max Richter, Ludwig Honecker, August Grant sowie Hans Kreimer. Der Boxclub 1921 wurde in den 16. Kreis des Deutschen Athletik Sportverbandes von 1921 e.V. aufgenommen. Nach zwei bis drei Jahren fleißiger Trainingsarbeit und nachdem man Übungsgeräte und einen Boxring beschaffen konnte, wurden dann die ersten Boxwettkämpfe ausgetragen. In den zwanziger Jahren war der Boxsport fast ausschließlich Sache der schweren Männer.

So konnte der BC 1921 im Jahr 1927 nicht weniger als sieben Schwergewichtler in den Ring bringen. Ab 1924 stellt der BC 1921 dann jedes Jahr einige Meister im 16. Kreis des DASV. Einen ganz großen Erfolg konnte der Club 1927 verzeichnen, als Hermann Leis in Lüdenscheid/Westpf. Deutscher Meister der Amateure im Schwergewicht werden konnte. In jener Zeit wurden viele Städtevergleichskämpfe ausgetragen. Es sei hier an einen Kampf Neunkirchen gegen Ulm im Jahr 1932 erinnert, bei dem der Weltmeister aller Klassen Max Schmeling als Gast anwesend war. Durch das Ominsportgesetz wurde der BC21 1936 dem Männerturnverein Neunkirchen angegliedert. In diese Zeit fallen die Städtevergleichskämpfe gegen Danzig, Königsberg und Allenstein. Einige Neunkircher Boxer standen im Gau Westmark als Repräsentative zur Verfügung. Als 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, wurden fast alle wehrfähigen Boxer zum Kriegsdienst eingezogen. Die Übungshalle mit allen Sportgeräten im Saalbau Vogelstrasse wurde im Laufe des Krieges von Bomben zerstört. Viele Vereinskameraden mussten ihr Leben lassen. Nach Kriegsende fanden sich bald wieder Boxsportfreunde zusammen, die Krieg und Gefangenschaft überlebt hatten. Sie bildeten im TuS 1860 eine Boxabteilung. Die folgenden Jahre waren für den BC21 die schwersten der Vereinsgeschichte: keine geeignete Übungsstätte, keine Sportgeräte, kein Boxring und auch kein Saal, um Wettkämpfe auszutragen. Das Interesse am Boxen ging mehr und mehr verloren. Die guten Boxer wanderten zu anderen Vereinen ab, die ihnen Kampfgelegenheiten bieten konnten. Die Abteilungsleiter wechselten desöfteren und Erfolge waren der Abteilung nicht beschieden. Infolge zu geringer Aktivität wurde 1956 die Boxabteilung des TuS 1860 geschlossen und man trennte sich in gutem Einvernehmen von dem Großverein. Schon im Jahr 1957 erfolgte die Wiedergründung des Boxclub 1921. Die damaligen Vorstandsmitglieder Hans Naumann, Hannes Winstel, Studienrat Ax als Trainer, Rudolf Clemens, Ludwig Schäfer und Willy Port legten das Fundament für den Neubeginn des Boxsports in Neunkirchen. Trainiert wurde im Nebenzimmer einer Gaststätte in der Wellesweilerstrasse. Trotz der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten wuchs eine brauchbare Boxstaffel heran, vom Fliegen- bis zum Schwergewicht. Mit Unterstützung des Neunkircher Eisenwerkes konnte in Eigenleistung ein Boxring gebaut werden, der noch heute seine Aufgaben erfüllt. Durch intensive Bemühungen des Vorstandes um bessere Trainingsmöglichkeiten und mit Unterstützung des Stadtverbandes für Leibesübungen ist es dann 1961 gelungen, eine boxsportgerechte Übungsstätte in der neu erbauten Turnhalle in der Scheibschule zu bekommen. Mit dem Einzug feierte man dann auch das 40-jährige Jubiläum mit einem Festzelt auf dem Kirmesplatz Eisweiher. Mit den neuen Trainingsmöglichkeiten begann für den BC21 eine ständige Aufwärtsentwicklung, an der Hans Winstel als 1. Vorsitzender großen Anteil hatte. Sein Ableben im April 1962 war für den Club ein herber Verlust. Wenig später konnte sogar eine Schüler- und Jugendabteilung ins Leben gerufen werden, aus der im Laufe der nächsten Jahre unter der Ägide des ehemaligen Profiboxers Hans Weber einige gute Seniorenboxer hervorgingen. Es wurden zahlreiche und oft siegreiche Vergleichskämpfe ausgerichtet. Alle Boxstaffeln des Südwestens und Rheinlandes standen gegen den BC21 im Ring. Die Neunkircher Boxstaffel kämpfte in Belgien, Luxemburg und Frankreich. Den größten Zuschauerzuspruch fanden die Kämpfe gegen die US-Soldaten aus Baumholder und Ramstein.

Im Laufe der Jahre wechselten auch die Vereinsvorsitzenden. Nach dem Tod von Hans Winstel haben folgende Mitglieder den Boxclub angeführt: Hugo Lore, Walter Albert, Karl-Heinz Schlick und Heinz Ranft. In der Jahreshauptversammlung im April 1967 wurde der langjährige Geschäftsführer des BC21, Walter Künzer, zum Vorsitzenden gewählt. Es folgten zahlreiche Vergleichskämpfe im In- und Ausland. Im Jahr 1970 wurde die kampfstarke Staffel durch den eigenen Trainer Hans Weber dezimiert, in dem er die besten Boxer zum Profisport abwarb. Infolge dieser Querelen nahmen in der Folgezeit die Aktivitäten ab, es wurde ruhiger um den BC21. Einziger Lichtblick in dieser Zeit war die Deutsche Vizemeisterschaft des Jugendboxers Klaus Stein. Um dem Verein Mitgliederzuwachs zu sichern wurde von Walter Künzer im Jahr 1975 eine zweite Abteilung ins Leben gerufen, die Abteilung Taekwon-Do. Nachdem ein guter Trainer gefunden war, trainierten innerhalb kürzester Zeit bis zu 40 Sportler zweimal pro Woche diese seit 1965 in Deutschland verbreitete asiatische Kampfsportart. Es wurden im Laufe der Jahre viele Gürtelprüfungen abgenommen und viele Kämpfe ausgetragen. Die sechs besten Kämpfer brachten es bis zum schwarzen Gürtel. Angespornt durch die Erfolge der Taekwon-Do Abteilung fand sich auch die Boxabteilung im Aufwind. 1978 und 1979 richtete der BC21 mehrere Hochschul-Boxturniere aus. Studenten der Universitäten Münster, Marburg, Freiburg, Mainz, Köln, Darmstadt und Saarbrücken kämpften um den vom BC21 gestifteten Wanderpokal. Die Gesamtleitung dieser Turniere lag in den Händen des Sportlehrers und Boxtrainers Dieter Jung. 1980 wurde Michael Becker Deutscher Vizemeister der Junioren im Weltergewicht. Mangels fehlender Alternativen wurde erneut Hans Weber als Trainer verpflichtet. Nach zweijähriger Tätigkeit wurde er jedoch von der Saarländischen Boxunion wegen wiederholter Abwerbung einiger Amateurboxer ins Profilager aus dem Verband ausgeschlossen. Die Taekwon-Do Abteilung war zu dieser Zeit bis auf wenige Mitglieder geschrumpft und wurde schließlich nach 6 Jahren aufgelöst. Den wenigen verbliebenen aktiven Mitgliedern stellte sich 1981 die Frage, den Verein aufzulösen oder einen Neuanfang zu wagen. Der Vorsitzende Walter Künzer, die verbliebenen Boxer Thomas Heidemann und Michael Becker sowie einige Anfänger krempelten schließlich die Arme hoch und holten sich nach und nach wieder Nachwuchs in die Halle. Thomas Heidemann und Michael Becker entwickelten sich zu guten Trainern, standen aber auch weiter als Kämpfer im Ring. Sie bauten boxbegeisterte Jugendliche zu disziplinierten und erfolgreichen Boxern auf. Udo Heinrich war einer davon. Ihn führte Thomas Heidemann innerhalb von nur zwei Jahren über Saarland- und Südwestmeisterschaft zum Deutschen Juniorenmeister 1984 im Halbschwergewicht. Diesem Erfolg ist es zu verdanken, dass der Boxsport in Neunkirchen wieder an Ansehen gewann. Für Boxer Norbert Reinermann begann 1982 Kampf für Kampf der Aufstieg. Mit ihm zusammen lag auch Dirk Müller im Aufwärtstrend. Da fast alle Boxclubs in der Region keine komplette Staffel mehr aufstellen konnten, wurden im Südwesten jetzt Pokalturniere ausgerichtet, an denen beide Boxer sehr erfolgreich teilnahmen. Beide kämpften auch mit großem Erfolg in Regional- und Oberliga als Gastboxer anderer Vereine. 1988 trat Walter Künzer nach 21 Jahren an der Spitze des Vereins zurück und übergab die Führung in die Hände von Thomas Heidemann. Norbert Reinermann übernahm den Trainerposten, Walter Künzer wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Alle Vorstandposten wurden von jungen Mitgliedern besetzt, so dass eine leistungsfähige Vorstandsarbeit möglich war. Die Erfolge von Reinermann (Deutsche Vizemeisterschaft 1987) und Dirk Müller (1989 deutscher Vizemeister) beflügelten den Verein. Weitere erfolgreiche Boxer in dieser Zeit folgten. So konnte sich Claus Konrad bis zu den Deutschen Meisterschaften vorboxen, verlor dort aber unglücklich in der Zwischenrunde. 1989 richtete der BC21 einen Ländervergleichskampf Mittelrhein - Saarland aus, bei dem die Neunkircher Boxer erfolgreich teilnahmen. Vor allem Dirk Müller vertrat in den 90ern die Vereinsfarben des BC21 durch Gewinn zahlreicher Saarland- und Südwestmeisterschaften. Es folgten weitere Boxer, die auf regionaler und überregionaler Ebene Erfolge erringen konnten: Vlado Biondic, Salvatore Improta, Jörg Hentrich, Biagio Pisani, Mark Neufang, Irfan Aktan, Ata Dogan sind einige davon. Norbert Reinermann konnte also seine Erfolge als aktiver Boxer auch im Trainergeschäft fortsetzen. 1998 folgte der nächste Wechsel an der Spitze des Vereines. Thomas Heidemann übergab die Führung dem bisherigen zweiten Vorsitzenden Mark Neufang und zog sich aus dem Vereinsgeschäft zurück. Norbert Reinermann übernahm die sportliche Leitung. Dirk Müller, Biagio Pisani und Vlado Biondic fungierten als Co-Trainer. Mitte der 90er Jahre begann der BC21 neue Maßstäbe in der Ausrichtung von Boxturnieren zu setzen. Durch hochklassige Kämpfe, exzellenten Service sowie einem hochkarätigen Rahmenprogramm konnten bis zu 1000 Zuschauer in die Furpacher Hirschberghalle gelockt werden. Ata Dogan wechselte nach Gewinn mehrer Saarland- und Südwestmeisterschaften 1999 ins Profilager und vertrat den BC21 auf internationaler Ebene. Unter anderem konnte er den Titel des Luxemburgischen Meisters im Mittelgewicht erringen. Auch im Kickbox-Lager konnte er große Erfolge erzielen. 2005 sicherte er sich bei der WKA, dem größten Kickbox-Verband, den Titel des Deutschen Profimeisters im Mittelgewicht. 2006 ließ er einen weiteren Titel bei der ETA folgen. Beide Erfolge konnte er vor ausverkauftem Haus in der Furpacher Hirschberghalle erzielen. Mit der Schließung der Grundschule Scheib und dem Verkauf an das Bistum Trier verlor der Verein 2007 seine Trainingsräumlichkeiten, in denen er seit dem Bau der Schule fast 50 Jahre untergebracht war.

Mit dem Umzug in die Turnhalle Fernstrasse begann wiederum eine neue Ära, die sich zwar als sportlich sehr erfolgreich erwies (verschiedene Saarlandmeisterschaften und Platzierungen bei deutschen Meisterschaften), aber leider nur von kurzer Dauer war.

Ende 2013 beschloss der Kreistag Neunkirchen die Schließung und den ersatzlosen Abriss der Halle, die aufgrund von Bauschäden nicht mehr gefahrlos zu benutzen war.

Derzeit trainiert der Boxclub 1921 Neunkirchen e.V. zweimal wöchentlich in der Turnhalle der Lutherschule und bietet den aktiven Boxern durch die Zusammenarbeit mit dem Power Out-Zentrum des SFBC 09 in Saarbrücken die regelmäßige Möglichkeit zum wettkampfvorbereitenden Sparring.